Guter Sex trotz Corona

Wie weit können wir gehen?

150 cm trennen aktuell viele von ihrem Glück. Auch in sexueller Hinsicht. Abstandsregeln und reduzierte Mobilität zur Vermeidung einer Übertragung von Covid-19 scheinen auf den ersten Blick wenig förderlich für ein unbeschwertes und erfülltes Sexualleben. Vor allem für Singles und all die, die eine Affäre haben. Küssen wird aktuell zur Mission impossible – außer es passiert im Kontext einer festen Partner- oder Wohngemeinschaft. Doch auch feste Beziehungen werden unter Corona auf eine besonders harte Probe gestellt. Häuslicher Rückzug und Quasiquarantäne mit dem langjährigen Partner, der Ehefrau oder Kindern bei laufrndem Homeoffice oder Verdienstausfall können bestehende Konflikte noch potenzieren. Allerdings braucht es kein Virus, um Sexualität wenig Platz im Leben einzuräumen. In festen Beziehungen steigt die sexuelle Lustlosigkeit bei Männern und Frauen mit jedem Jahr Partnerschaft. Dazu kommen Krankheit, Stress und ungesunde Ernährung: Lustkiller gab es vor Corona und es wird sie danach geben. Schöner, glücklich machender Sex ist dennoch für die meisten von uns möglich und erstrebenswert.

Die Chance in der Krise

In den sich durch die Pandemie für unser Sexleben ergebenden Einschränkungen liegt auch eine Chance. Sie lassen uns erkennen, wie wichtig uns das Thema ist. Zweitens sind wir in Krisen eher bereit, neue Wege zu denken und auszuprobieren. Unsere Neugier, Kreativität und Offenheit sind gefragt. Denn wie so oft im Leben macht auch in Sachen Sex Übung den Meister, Wissen kreativ und Austausch sicher.

„Let’s talk about Sex…!“

Was auf der Tanzfläche leicht von den Lippen geht, fällt den meisten im realen Leben eher schwer – selbst in langjährigen Partnerschaften oder gerade da. Der richtige Zeitpunkt, mit dem Lover oder der Partnerin über Sex zu sprechen, scheint selten; die Lust fehlt oder die Vision, oft auch die Sprache. Über Sex zu reden erfordert Übung – und ist Corona-unbedenklich. Für Menschen mit wenig Zeit empfiehlt sich eine Suche auf Youtube, Eldorado für alle Fragen rund um das Thema Sex. Hier lässt sich viel über das andere, aber auch das eigene Geschlecht lernen. Von Frau zu Frau und Mann zu Mann erfährt man, wie man Lust bereitet und sich bereiten lassen kann. Sprachunterricht in Dirtytalk inklusive. Sex bekommt so auch eine Stimme. Für manche vielleicht das erste Mal.

Rendez-vous mit sich selbst

Der gemeinsame Austausch über Sexualität ist wichtig. Guter Sex fängt jedoch noch davor, bei jedem selbst an. Die Zeit des Rückzugs von der Welt können wir nutzen für die eigene Entdeckungsreise. Denn oft haben wir auch mit uns selbst nur Sex nach Schema F. Also los! Stellen Sie sich vor den Spiegel und schauen Sie sich einmal an. Geht das ohne Wenn und Aber? Finden Sie sich attraktiv? Was gefällt Ihnen? Welche Berührungen fühlen sich gut an? Machen Sie etwas anders beim Stelldichein mit sich selbst. Probieren Sie neue Stellungen. Verlassen Sie Bett oder Dusche. Nehmen Sie einen Taschenspiegel in die Hand und lernen Sie sich selbst besser kennen! Wer sich selbst gut kennt und mag, fühlt sich sicherer mit sich und im Umgang mit anderen. Schüchternen Partner:innen kann das Mut machen, es gleich zu tun.

Zeit für Kreativität

Kreativ werden heißt gewohnte Pfade verlassen. Wie lernt man sich kennen und wie weit geht man, wenn der Beziehungsstatus auf unverbindlich steht? Testen Sie es aus! Reden Sie über die merkwürdige Situation. So lernen Sie sich gleich zu Anfang eine wichtige Seite voneinander kennen. Und wie kann man Sex haben mit ein Meter fünfzig Mundabstand oder der Angst vor Ansteckung – auch in festen Beziehungen? Können Masken erotisch sein? Wie weit bleibt man auseinander, wenn Füße statt Hände zum Einsatz kommen? Massieren Sie sich gegenseitig. Nutzen Sie Ihre Sinne: Lauschen und riechen Sie. Berühren Sie sich neu. Werfen Sie Ihre Denkmaschine an und Ihre Fantasie! Alleine, zu zweit, zu dritt… Schreiben Sie Ihre Ideen auf, entwickeln Sie Ihr eigenes Corona-Sex-Drehbuch. Schenken Sie es Ihrer Liebsten oder schicken Sie es ihm per Post auf die Arbeit. Verlassen Sie die gewohnten Bahnen. Fordern Sie sich heraus. Spielen Sie. Oder ganz einfach: reden Sie miteinander über das, was Sie sich wünschen, Ihre Fantasien. Das geht auch in Coronazeiten.

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